Privatdozent Dr. med. Ramin Khatami definiert die Narkolepsie als eine massiv gestörte Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus. Das äussert sich in ausgeprägter Tagesschläfrigkeit, die als subjektives Gefühl meist ständig vorhanden ist und sich in Form anfallsartiger Einschlafattacken verstärkt. Diese Einschlafneigung tritt in unterschiedlichen Abständen mehrmals am Tag auf. Besteht für den Narkoleptiker keine Möglichkeit, einige Minuten zu schlafen, verstärkt sich die Einschlafneigung und wird unvermeidlich. Er verfällt in einen unter Umständen gefährlichen Halbschlaf mit unkontrollierten, unsinnigen Handlungen.

Typischerweise leiden die Erkrankten zusätzlich unter sogenannten Kataplexien – ein plötzlicher, kurzzeitiger Verlust der Muskelspannung, ausgelöst durch starke Emotionen wie grosse Freude, Lachen, Ärger oder Überraschung. Bei starken Kataplexien sacken die Betroffenen ähnlich wie bei einem epileptischen Anfall in sich zusammen, sind aber bei vollem Bewusstsein.

Selbst die Nacht wird zum Problem

Die meisten Betroffenen klagen über einen massiv gestörten Nachtschlaf mit vermehrtem Erwachen und langen Wachliegezeiten. Auch traumartige Fehlwahrnehmungen oder kurze Lähmungszustände beim Übergang vom Wachzustand in den Schlaf und umgekehrt sind häufig.

Für alle gilt jedoch: Die Beeinträchtigung im Alltag ist immens, sowohl im Berufsleben als auch im sozialen Umfeld.

Fehlender Botenstoff im Gehirn

«Die Ursache der Krankheit wird in einer Autoimmunerkrankung vermutet. Bei vielen Narkoleptikern konnte man einen deutlich verringerten oder gar fehlenden Orexinwert (auch Hypocretin genannt) nachweisen – Botenstoffe, die für den Schlaf-Wach-Rhythmus zuständig sind. Genetische Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle», so Dr. Khatami. Psychische Ursachen können sicher ausgeschlossen werden. Die Krankheit kann in jedem Alter ausbrechen, manchmal schleichend oder ganz plötzlich und in unterschiedlichen Schweregraden. Es gibt allerdings eine Häufung um das 20. und 40. Lebensjahr.

Frühe Diagnose wichtig

Dr. Khatami rät: «Bei Verdacht auf Narkolepsie sollte man einen Neurologen mit Schlaflabor konsultieren. Die Diagnose kann heute sicher gestellt werden. Die Erkrankten können zwar nicht geheilt, jedoch können die Symptome deutlich eingedämmt werden. Wirksame Medikamente helfen gegen die Tagesschläfrigkeit und gegen die plötzliche Muskelerschlaffung. Wichtig ist aber auch ein regelmässiger Lebensrhythmus mit geplanten Schlafphasen am Tag. Möglicherweise kann künftig der Untergang der Orexin-Neuronen verzögert bzw. verhindert oder der fehlende Botenstoff ersetzt werden.»


Sein persönlicher Schlaftipp:

Aktivität und Licht am Tag sind ein gutes "Schlafmittel" für die Nacht.


                                                                                                                                                                      Ulrike Heber

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