Träume sind seit dem Altertum etwas Unerklärliches, etwas Emotionales. In Traumdeutung versuchten sich auch schon viele Generationen und Kulturen. Schöne Träume können beruhigen, schlechte Träume, die sich gelegentlich bis zu Albträumen entwickeln, verstimmen oft depressiv. Doch wenn der Alltag genug Ablenkung bietet, sind die depressiven Phasen rasch wieder weg. Oft wird versucht, aus Träumen Ereignisse in der Zukunft vorauszusehen. Um zu verstehen, dass das nicht möglich ist, muss man wissen, wie Träume entstehen.

Jeder Mensch träumt jede Nacht. Allerdings können wir uns meist nicht an die Träume erinnern. Der Traumschlaf (oder wissenschaftlich REM-Schlaf) wird normalerweise von einer traumlosen Schlafphase abgelöst, und wenn wir erwachen, können wir uns nicht mehr an den Traum erinnern. Dies ist anders, wenn wir direkt aus dem Traumschlaf erwachen.

«Wie entstehen Träume?»

Wie entstehen überhaupt Träume, und welche Bedeutung haben sie? Der Schlaf während der Nacht weist immer verschiedene Phasen auf. Er beginnt mit einem oberflächlichen Schlaf, einem Dösen. Einige Minuten nach dem Einschlafen vertieft er sich, bis nach einer Stunde etwa der erholsame Tiefschlaf erreicht ist. Diesem schliesst sich ein kürzerer oder längerer Traumschlaf an. Ein erholsamer Nachtschlaf besteht aus vier bis fünf solchen Schlafzyklen von eineinhalb bis zwei Stunden Dauer. Die Tiefschlafphasen verkürzen sich gegen den Morgen hin, und die Traumphasen werden länger.

«Eindrücke verarbeiten»

Das Gehirn verarbeitet im Traumschlaf Eindrücke vom vergangenen Tag oder von viel fru?her. Dadurch entstehen ganz eigenartige Kombinationen. Die einzelnen Traumelemente stammen irgendwo aus schon Erlebtem, können jedoch völlig verändert erscheinen. So werden frühere Ereignisse, die man zwar schon längst vergessen hat, die aber das Gehirn sehr beeindruckt haben, in Träumen wieder vorkommen, und dies, bis die Ereignisse korrekt verarbeitet und im Langzeitspeicher des Gehirns definitiv abgelegt sind. Träume sind also immer Kompositionen aus der Vergangenheit.

«Träume sind Schäume»

Vielleicht hilft diese Erkenntnis schon, die Träume nicht allzu ernst zu nehmen und zu versuchen, sie zu vergessen. Wenn Träume aber immer wieder stark stören, so kann man versuchen, Ereignisse, die bis in die Kindheit zurückgehen können, mit Hilfe von therapeutischen Gesprächen aufzuarbeiten. Auch können Schlafmittel die Traumphasen verringern. Aber wegen der Gefahr, von solchen Medikamenten abhängig zu werden, ist davon abzuraten. Das Sprichwort «Träume sind Schäume» hat so seine Berechtigung. Es will sagen, Träume nicht schwer zu nehmen, sie zu vergessen und sich an der Realität zu orientieren.

Dr. med. Werner Karrer